Brasilien feuert Dunga

Nach der blamablen Weltmeisterschaft 2014 hatte Carlos Dunga das Amt des brasilianischen Nationaltrainers von Luiz Felipe Scolari übernommen. Nach eineinhalb Jahren musste Dunga nun aber das Handtuch nehmen. Dabei hatte alles so gut begonnen. Mit der Selecao eilte Dunga von Sieg zu Sieg – letztlich wurden es elf am Stück. Dann kam allerdings Sand ins Getriebe.

Carlos Dunga

Marcello Casal Jr. / ABr (CC BY 3.0 BR)

Bei der Copa America 2015 qualifizierten sich die Zuckerhut-Kicker nur knapp für die K.o.-Phase, wo gleich Endstation war. Gegen Paraguay verlor Brasilien im Elfmeterschießen mit 3:4 nachdem Everton Ribeiro und Douglas Costa die Nerven versagten. Im September folgten dann zwei Testspiel-Siege ehe zum Auftakt der WM-Qualifikation gegen Chile mit 0:2 verloren wurde – die dritte Niederlage in der einjährigen Amtszeit von Carlos Dunga. Es folgten zwei Siege und drei Remis in der Qualifikation für die Fußball WM 2018. Nach aktuellem Stand wäre Brasilien nicht für die Endrunde in Russland qualifiziert.

Das Fass zum Überlaufen gebracht hat die schwache Performance bei der Copa America 2016 in den USA. Nach einem 0:0 zum Auftakt gegen Ecuador feierte Brasilien, das ohne Stars wie Neymar oder Oscar beim Turnier antrat, ein 7:1 gegen Haiti. Da man am 3. Spieltag allerdings gegen Peru unterlag, musste Brasilien vorzeitig abreisen.

Nur ein paar Tage nach dem Aus hat der brasilianische Verband die Notbremse gezogen und Dunga zum zweiten Mal nach 2010 entlassen. Der CBF muss nun schnell einen Nachfolger finden, denn Dunga hätte die Auswahl auch bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro trainieren sollen. Corinthians-Coach Tite wird nun als heißester Nachfolger für Dunga gehandelt.

EM-Teams stellen Weichen für Zukunft

Obwohl die Europameisterschaft erst in zwei Tagen beginnt, haben bereits jetzt einige Teilnehmer die Weichen für die Zukunft gestellt. Wales hat beispielsweise bereits vor einigen Wochen den Vertrag mit Erfolgstrainer Chris Coleman bis zur WM 2018 verlängert und auch Österreich konnte sich mit dem umworbenen Marcel Koller auf eine Vertragsverlängerung bis 2018 einigen.

Nun hat auch Irland mit seinem Teamchef verlängert und Wechselspekulationen einen Riegel vorgeschoben. Sowohl Chefcoach Martin O’Neill als auch Co-Trainer Roy Keane verlängerten ihre Verträge mit dem irischen Fußballverband bis 2018. Das Duo hatte die Boys In Green nach einem dritten Platz in der Qualifikationsgruppe D hinter Deutschland und Polen über die Play-Offs zur Europameisterschaft 2016 geführt. Auch der Rest des Trainerteams erhielt neue Verträge für die kommenden zwei Jahre. „Ich freue mich sehr, das John Delaney und der Rest des FAI-Vorstands unsere Verträge für die WM-Qualifikation verlängert haben“, meinte O’Neill in einem ersten Statement.

Noch nicht zur Gänze geklärt ist, wer das italienische Nationalteam in Zukunft leiten wird. Antonio Conte, der seit 2014 Trainer der Azzurri ist, wird nach der EM 2016 seinen Posten räumen und zum FC Chelsea wechseln. Nach wochenlangen Spekulationen und Name-Dropping scheint nun ein Nachfolger gefunden: Giampiero Ventura! Wie mehrere nationale Medien übereinstimmend berichteten soll dies von Verbandschef Carlo Tavecchio dem nationalen Gremium des FIGC mitgeteilt worden sein.

Der 68-jährige Ventura war vergangene Saison noch beim FC Torino unter Vertrag, den er seit Juli 2011 betreut hat.

Jogi Löw spricht über seine Zukunft

Joachim Löw ist spätestens seit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 ein gefragter Mann. Obwohl es an sportlich und vor allem finanziell attraktiven Angeboten sicherlich nicht mangelt, ist der Schwabe dem DFB bislang treu geblieben und hat seinen Vertrag bereits vorzeitig bis zur WM 2018 verlängert. Vorerst steht aber erst einmal die Europameisterschaft 2016 an, bei der Deutschland zu den großen Favoriten zählt.

In einem Interview hat Löw nun mehr oder weniger angekündigt, dass ihn neue Herausforderungen reizen würden: „Ich bin jetzt zehn Jahre dabei. Daher würde ich sagen, dass ich meine längste Zeit als Bundestrainer schon hinter mir habe. Irgendwann, so denke ich, brauchen vielleicht die Mannschaft, der Verband oder ich selber ein neues Ziel.“

Interessant sei für ihn vor allem ein Engagement im Ausland, etwa England oder Spanien. Der bei Ablauf seines Vertrags 58-Jährige hatte vor seiner Tätigkeit als Bundestrainer in Österreich Austria Wien und Wacker Innsbruck trainiert, davor auch in der Türkei bei Fenerbahce und bei seinem Stammverein VfB Stuttgart Erfahrungen als Cheftrainer gesammelt.

In der Vergangenheit sollen unter anderem Real Madrid, der FC Everton, Bayern München, der FC Chelsea und der FC Arsenal ihr Interesse am Erfolgstrainer bekundet haben. Löw hatte aber stets wiederstanden – er weiß was er am DFB hat und umgekehrt. Zudem verdient Löw auch als deutscher Bundestrainer genug. Gerüchten zufolge soll er vom DFB jährlich 3,3 Millionen Euro verdienen.

Platini tritt nach CAS-Urteil zurück

Ursprünglich war Michel Platini für alle Aktivitäten rund um den Fußball für sechs Jahre gesperrt worden. Nach einem Einspruch beim CAS, dem Internationalen Sportgerichtshof, wurde die Sperre nun auf vier Jahre reduziert – für Platini nicht das erwünschte Urteil. Der Franzose zog nun sofort die Konsequenzen und trat offiziell als Präsident der UEFA zurück.

Seine Präsidentschaft wäre eigentlich bis 2019 gegangen, kann aber aufgrund der Sperre nicht mehr ausgeübt werden. Neben der Ausschluss aller fußballerischen Tätigkeiten wird auch eine Geldstrafe fällig – diese wurde allerdings ebenfalls von 80.000 Schweizer Franken auf 60.000 reduziert. Dennoch kein Betrag, den Platini nicht locker zahlen könnte.

Zum Verhängnis geworden ist dem ehemaligen Weltklasse-Stürmer eine dubiose Zahlung von der FIFA. Die 1,8 Millionen Euro-Transaktion soll im Jahr 2011 von FIFA-Boss Sepp Blatter veranlasst worden und offiziell für Beratertätigkeiten gewesen sein.

Beide Beschuldigten meinten, die Zahlung beruhe auf einem 1998 geschlossenen mündlichen Vertrag – zu wenig für den CAS, der sich von der Legitimität dieser Transaktion nicht überzeugt zeigte.

Wer in Zukunft als Oberhaupt der UEFA fungieren wird, soll am 18. Mai in einer Sondersitzung des Exekutivkomitees geklärt werden. Allerdings wird dann wohl nur über das Prozedere für die nächste Wahl diskutiert werden. Somit bleibt weiterhin offen, ob bis zum Start der Europameisterschaft 2016 ein neuer Präsident feststeht. Bis zum Beginn der WM 2018 sollte allerdings alles klar sein.

Russland will Team mit Legionären stärken

Gut zwei Jahre vor der Heim-WM sucht Russland verzweifelt nach Verstärkungen für das Nationalteam. Da anscheinend im eigenen Land keine talentierten Alternativen zur Verfügung stehen, will sich der russische Verband nun nach Doppelstaatsbürgern umsehen bzw. Legionäre, die in der nationalen Premier Liga spielen, einbürgern. Denn bei der Fußball WM 2018 will man sich nicht zum internationalen Gespött machen sondern lange im Bewerb vertreten sein. Ein Aus in der Vorrunde würde einer Blamage gleichkommen.

Roman Neustädter

Daniel Kraski (CC BY 2.0)

„Wir erwägen punktuelle Einbürgerungen, weil wir in den kommenden zwei Jahren niemand Neues (aus der eigenen Jugend) mehr heranziehen werden“, so der russische Sportminister Witali Mutko, der gleichzeitig auch Präsident des nationalen Fußballverbands ist. Prominentester Fall ist Roman Neustädter, der in der ehemaligen Sowjetunion geboren wurde und einen russischen Vater hat. Der Schalke-Kicker könnte sich durchaus vorstellen in Zukunft für Russland zu spielen obwohl er zwei Mal für Deutschland im Einsatz war – allerdings nur in Testspielen.

Bereits im Winter wurden erste Gespräche zwischen den beiden Seiten aufgenommen, doch auch in Russland mahlen die Mühlen der Bürokratie langsam. Dennoch hofft Neustädter, bereits bei der Fußball EM in Frankreich für die Sbornaja auflaufen zu dürfen.

Ein weiterer Kicker hat bereits ein Spiel für Russland absolviert: Guilherme. Der Brasilianer spielt seit 2007 für Lok Moskau und feierte im März diesen Jahres sein Debüt im Kasten der russischen Nationalelf. Erst im November 2015 nahm er die Staatsbürgerschaft an.